Evangelische Hochschule für Soziale Arbeit & Diakonie

Abgeschlossene Promotion

Rolf Ahlrichs, ehemaliger Student der Ev. Hochschule, hat seine Promotion mit Auszeichnung (summa cum laude) bestanden. Er ist damit der erste Absolvent der Ev. Hochschule, der eine Promotion im Rahmen des kooperativen Promotionsverbundes norddeutscher Hochschulen abgeschlossen hat.

Titel: Demokratiebildung im Jugendverband. Zum Selbstverständnis von Jugendbildungsreferent*innen in Stuttgart

Kurzbeschreibung: Im Zuge der vielfach konstatierten Krise westlicher Demokratien wird auch in der Sozialpädagogik zunehmend über Demokratiebildung diskutiert. Die Dissertation klärt zunächst die theoretischen Grundlagen einer solchen Demokratiebildung in Jugendverbänden, die sich selbst als „Werkstätten der Demokratie“ bezeichnen. Auf der Grundlage empirischer Forschungsergebnisse zum Selbstverständnis hauptamtlicher Jugendbildungsreferent*innen aus Stuttgarter Jugendverbänden unterschiedlicher weltanschaulicher Prägung werden Vorschläge entwickelt, um Demokratiebildung als Kernaufgabe von Jugendverbänden zu profilieren.

Die Dissertation wird im Beltz Juventa Verlag veröffentlicht.

Die Promotion wurde von Prof. Dr. (i.R.) Helmut Richter (Universität Hamburg), Prof. Dr. Benedikt Sturzenhecker (Universität Hamburg) und Prof. Dr. Michael Lindenberg (Ev. Hochschule) betreut.

 

Rolf Ahlrichs im Interview

Was war Ihre Motivation zu promovieren?

Die Idee, irgendwann einmal zu promovieren, hatte ich schon gegen Ende meines Diplomstudiums an der Ev. Hochschule Hamburg. Im Rahmen meiner Diplomarbeit habe ich eine kleine empirische Untersuchung durchgeführt und gemerkt, dass ich sehr gerne forsche. Das war im Jahr 1996/97. Doch zunächst verlor ich die Promotionsidee aus den Augen. Während eines Masterstudiums an der Ev. Hochschule Freiburg, fast 15 Jahre später, meldete sich meine Lust an der Empirie zurück. Nun ergriff ich die Chance, die der neu gegründete kooperative Promotionsverbund uns Fachhochschulabsolventen bietet.

 

Wie läuft das Promotionsverfahren ab?

Die Begleitung der Promotion im kooperativen Promotionsverbund erfolgt insbesondere durch das zweimal jährlich stattfindende Promotionskolloquium. Dort stellen die Promovend_innen ihren jeweiligen Forschungsstand vor und erhalten Feedback aus der Runde. Mit dabei sind alle Promovierenden des Promotionsverbundes sowie ihre Betreuer_innen. Das sind sehr intensive, ungemein hilfreiche Treffen. Hinzu kommen Einzelgespräche mit den Betreuer_innen. Außerdem gibt es inzwischen ein informelles Promovierendentreffen, das ich sehr empfehle. 

 

Wie lange hat die Promotion gedauert?

Von der ersten Formulierung des Themas bis zur Disputation waren es fast sechs Jahre. Wobei das erste Jahr zur Klärung der Forschungsfrage und des empirischen Vorgehens nötig war. Für die Dissertation habe ich dann, inklusive einer qualitativen Studie, etwas mehr als vier Jahre gebraucht.

 

Wie ist das Thema entstanden?

Ich war 13 Jahre lang Jugendbildungsreferent in einem Jugendverband, zuletzt als Geschäftsführer. In dieser Zeit ging es immer wieder um die Weiterentwicklung der demokratischen Partizipation junger Menschen. Unter anderem standen wir vor der Aufgabe, nach einer Fusion eine Partizipationsstruktur für den neu entstandenen Jugendverband zu entwickeln. Mein Promotionsthema knüpft an diese Erfahrungen an und fragt danach, unter welchen Bedingungen Demokratiebildung in Jugendverbänden gelingen kann, bzw. welches Verständnis demokratischer Partizipation in unterschiedlichen Jugendverbänden herrscht.

 

Inwieweit knüpfte die Promotion an Ihr vorheriges Studium an?

Es gibt ein Thema, das sich wie ein roter Faden durch meine Arbeiten zieht: Die Auswirkungen des globalisierten Kapitalismus auf die Soziale Arbeit. In meiner Diplomarbeit habe ich Initiativen der Gemeinwesenökonomie untersucht, die mit alternativen Währungen einen eigenen Wirtschaftskreislauf aufbauen wollten. In meiner Masterarbeit habe ich mit Personalverantwortlichen aus Profit- und Nonprofit-Unternehmen über ethisches Führungshandeln im Kontext zunehmender Ökonomisierung gesprochen. Auch im Rahmen meiner Dissertation wurden die negativen Auswirkungen der gesellschaftlichen und ökonomischen Veränderungsprozesse auf demokratische Erfahrungen in Jugendverbänden deutlich.

 

Was nehmen Sie mit aus dieser Zeit?

Zuerst: Neu oder wieder entdeckte Stärken. Denn eine Promotion erfordert Durchhaltevermögen, Organisationstalent, Selbstdisziplin, Motivation und sehr strukturiertes, eigenständiges Arbeiten. Aber ich habe die Promotion auch als eine wissenschaftliche Weiterentwicklung erlebt: In meiner Dissertation ging es um die Erarbeitung eines demokratietheoretischen Fundaments der Demokratiebildung in Jugendverbänden und ihrer empirischen Überprüfung im Diskurs mit Jugendbildungsreferent_innen. Ich habe mich zunächst sehr viel mit Jürgen Habermas und John Dewey beschäftigt, darüber hinaus mit Demokratietheorien und natürlich dem aktuellen Fachdiskurs der Jugendverbandsarbeit. In meiner Studie habe ich methodologisch auf die Handlungspausenforschung zurückgegriffen, die an der Universität Hamburg entwickelt wurde, und diesen Ansatz weiterentwickelt. Sowohl die persönlichen Erfahrungen, als auch die theoretischen Inhalte und empirischen Ergebnisse prägen mein Denken als Sozialpädagoge sehr stark und fließen in meine Arbeit ein.