Evangelische Hochschule für Soziale Arbeit & Diakonie

Studienreise nach Israel 2017

Im Wintersemester 2017 fand vom 13.-21.11. 2017 eine achttägige Studienreise mit 26 Studierenden des dritten Semesters nach Israel und mit mir als Dozentin statt.

Wir wohnten mitten in der Altstadt von Jerusalem, in einem Gästehaus mit einem wunderbaren Blick.
Alles war ganz nah: das römische Pflaster aus der Zeit von Jesu Kreuzigung
befindet sich in den Ausgrabungen, die im Keller des Gästehauses zu besichtigen sind, auf der einen Seite liegt der Ölberg und der Garten Gethsemane, Stationen der Geschichte und Tradition Jesu, auf der anderen Seite der Tempelberg mit dem muslimischen Felsendom und seiner goldenen Kuppel. Wir standen an den Resten des jüdischen Tempels, der „Klagemauer“, und erlebten, wie jüdische Männer und Frauen an dem Ort beten, der ihnen heilig ist. In der Grabeskirche, in christlicher Tradition der Ort der Kreuzigung und der Grablegung Christi, ist die Vielfalt christlicher Spiritualität zu erleben:
so viele griechisch-orthodoxe, römisch-katholische, armenische, koptische,
abessinische und syrische Christen sieht man in Hamburg normalerweise nichtund nicht in einer Kirche. Auch die evangelisch-lutherische Kirche ist hier präsent, mit einer schönen, schlichten Kirche aus dem 19. Jahrhundert.

Wir sprachen mit Mitgliedern von Parents Circle, einer Organisation von Menschen, die durch den Nahostkonflikt nahe Angehörige verloren haben. Ben hat seine 20jährige Tochter durch einen palästinensischen Selbstmordattentäter verloren.
Moira trauert um ihren Mann, einen Palästinenser, der nach der gewaltsamen
Eskalation einer Demonstration erschossen wurde. Ihre Botschaft: „Stellt euch nicht auf eine Seite, setzt euch für Versöhnung ein. Wenn wir das können, müssten es alle können.“
Und wir besuchten Yad Vashem, die nationale Gedenkstätte für den Holocaust. Für die Schilder aus der Zeit des Nationalsozialismus, die Juden diskriminierten,
entrechteten, separierten, die Vernichtung vorbereiteten, brauchen deutsche
Besucher und Besucherinnen keine Übersetzung, sie sind in der eigenen Sprache geschrieben. Die Zeugnisse der Vernichtung berührten und erschütterten uns. In der Halle der Namen sahen wir sechshundert Bilder: Kinder, Frauen und Männer, religiöse und säkulare Juden, fröhliche und ernste Gesichter, all diese Menschen sind nur deshalb umgebracht worden, weil sie Juden waren. Und hinter ihnen stehen jeweils 10.000 weitere Opfer.

Mit David Witzthum, dem Journalisten und Historiker, diskutierten wir über die
aktuelle gesellschaftliche Situation in Israel. In einer Synagoge sprachen wir mit
einer Rabbinerin des Reformjudentums und mit einer Rabbinerin des
Konservativen Judentums und feierten mit der Gemeinde den Beginn des
Shabbat. Wir sahen die Mauer, die Bethlehem und das palästinensische
Autonomiegebiet von Israel trennt, und wir waren in der Geburtskirche Jesu.

Von dem amerikanischen Journalisten Thomas Friedman stammen die Sätze:
„Israel is not just a conflict, it’s a country. Alles dort ist so, wie man es sieht, und doch ist nichts wie es scheint.“
Das haben wir in diesen Tagen erlebt. Wir sind bereichert zurückgekehrt.

Prof. Dr. Ulrike Suhr