Evangelische Hochschule für Soziale Arbeit & Diakonie

Studienreise nach Israel 2014

Mit dem Verbund City, Studierenden des grundständigen Studiums im 4. Semester, habe ich im Juni/Juli 2014 eine Studienreise nach Israel durchgeführt. Vorausgegangen waren intensive Vorbereitungen, und dann waren wir da, im Gästehaus Ecce Homo mitten in der Altstadt Jerusalems mit der Dachterrasse, die einen umwerfenden Blick hat. Wir gingen durch die Stadt und sahen die singenden, betenden, tanzenden Menschen  am Shabbat an der sogenannten Klagemauer, wir hörten am Sonntagmorgen die Gesänge und Gebete in der Grabeskirche, wir staunten über die Anlagen auf Massada und lagen im Toten Meer, wir besuchten die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem und erlebten, was der Auschwitz-Überlebende Jean Amery (1912-1978) so ausgedrückt hat: "Niemand kann aus der Geschichte seines Volkes austreten. Man soll und darf die Vergangenheit nicht 'auf sich beruhen lassen', weil sie sonst auferstehen und zu neuer Gegenwart werden könnte."

Wir führten viele Gespräche: mit einer Therapeutin, die mit Holocaust-Überlebenden arbeitet und uns fragte: „Was erzählen Euch Eure Großeltern über die Zeit des Nationalsozialismus? Ihr wisst nichts? Dann fragt sie!“

Mit deutschen Studierenden, die ein Jahr in Jerusalem Theologie studierten, mit dem Juden Ben und mit Moira, die mit einem Palästinenser verheiratet war.  Beide haben durch den Nahostkonflikt einen nahen Menschen verloren  und engagieren sich in der Versöhnungsarbeit von „Parents Circle-Families Forum“,

Und wir hatten die Gelegenheit, mit David Witzthum zu sprechen, einem der renommiertesten Fernsehjournalisten  Israels.

Wir erlebten auch, wie schnell eine Situation in Israel sich zuspitzen kann.

Am 19. Juni 2014 wurden drei jüdische Schüler von Mitgliedern der Hamas entführt, wie die Hamas am 23. August zugibt. Ende Juni werden die Jugendlichen tot aufgefunden, diese Nachricht erreicht uns während der Übertragung eines der WM-Spiele. Am 2. 7. wird  die Leiche eines verschleppten 16-jährigen Palästinensers in einem Wald bei Jerusalem gefunden, am 8.7., 5 Tage nach unserer Abreise aus Israel, eskaliert der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern zum Gaza-Krieg, der 50 Tage andauert.

Die Nachrichten dieses Krieges hörten wir nun schon zu Hause und unsere Gedanken waren und sind bei den Menschen, die wir in Israel getroffen haben und die sich für ein friedliches Zusammenleben einsetzen.

Diese Reise war schön und sie hat uns betroffen gemacht. Geschichte und Gegenwart Israels und Palästinas sind uns nahe gekommen und werden uns weiterhin beschäftigen, im Studium, als zukünftige Diakone und Diakoninnen, als zukünftige Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen. Die Bilder, die Eindrücke, die Gespräche und Erlebnisse bleiben.

Von unserem Eindrücken haben wir bei einer Hochschulveranstaltung im Januar 2015 berichtet.

Prof. Dr. Ulrike Suhr