Evangelische Hochschule für Soziale Arbeit & Diakonie

FEW "Produktion und Widerstand"

  • Zeitraum: WiSe 2013/2014 bis SoSe 2015
  • Lehrende: Eckard Maiwald (Dipl. Sozialökonom)


Beschreibung

Dem Thema Resilienz als Fähigkeit, gravierende Belastungen im Sozialisationsprozess relativ unbeschadet zu überstehen, wird nach wie vor in der Psychologie und in der Pädagogik reges Interesse entgegengebracht. Mit Blick auf die Publikationen zum Thema lässt sich feststellen, dass der Markt hier einiges an Ratgeberliteratur bereithält. Doch gibt es keine Rezeptur, nach der sich Widerstandsfähigkeit verabreichen ließe. Vielmehr ist es derselbe Markt, der als Instrument ökonomisch vermittelter Herrschaft beteiligt ist, an der Verwirklichung bzw. Nichtverwirklichung von Lebenschancen und Widerstandsfähigkeit.

In dieser FEW soll versucht werden, die als Resilienz begriffene Widerständigkeit mit dem soziologischen Begriff des Widerstandes in Relation zu setzen; Widerstand zum Beispiel gegen gesellschaftliche Ungerechtigkeit, gegen Herrschaft und Ausbeutung, gegen Gewaltverhältnisse. Die Aufgabe ist also, Widerstand und Resilienz zusammenzudenken. Neben der Resilienzförderung von Kindern auf der individuellen Ebene durch direktes Einwirken auf die Kinder und über die Förderung der Erziehungskompetenz Erwachsener ließe sich eine Resilienzförderung auf gesellschaftlicher Ebene denken, auch wenn dasjenige, wofür es wenig Begriffe gibt, weil die gesellschaftliche Praxis es nicht vorsieht, zunächst schwer zu formulieren ist.

Aus diesem Grunde ist innerhalb der FEW eine vorgängige Auseinandersetzung mit fortgeschrittenen Theorien der Produktion des sozialen Raums vorgesehen. Im Zentrum steht hier die Annahme: Es gibt keinen Raum vor der Praxis; es gibt innerhalb der Produktion von Gesellschaft Eigensinn, Handlungsautonomie und Poesie, die vom Gesellschaftssystem gleichsam als notwendige Negativfolie mitproduziert werden.

In der Absicht, sich fantasievoll diesem emanzipatorischen Potenzial zu nähern, soll innerhalb der FEW versucht werden, eine sozialpädagogische Praxis der Förderung von Widerstand im umfassenden Sinne zu formulieren, ohne zwischen Widerstand und Resilienz zu polarisieren. Dabei können die Studierenden auf ihren eigenen Erfahrungsbereich in der Sozialen Arbeit zurückgreifen. Ziel der einzelnen Forschungsarbeiten der Studierenden ist also eine Darstellung und Diskussion der Faktoren von Widerstand/Resilienz in einem wählbaren Bereich Sozialer Arbeit. Dazu können verschiedene empirische Methoden angewandt werden.