Evangelische Hochschule für Soziale Arbeit & Diakonie

Pädosexuelle Übergriffe auf Jungen im öffentlichen und halböffentlichen Raum

 

Untersuchungen belegen, dass jedes vierte Mädchen und jeder elfte Junge bis zum 14. Lebensjahr Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt macht. In den unterschiedlichen Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit, wie Kindertagesstätten, im Hort, in Schulen und Einrichtungen der ambulanten und stationären Jugendhilfe, aber auch in der Schule kommen Fachkräfte in Kontakt mit Kindern und Jugendlichen, die ähnliche Erfahrungen machen oder machen mussten.

Im Rahmen von Fachberatung und Fortbildungen erleben wir immer wieder, dass das Verhalten von Fachkräften bei Verdachts- oder konkreten Vorfällen oftmals von großer Handlungsunsicherheit geprägt ist. In der Regel wird diese aufgrund des Handlungsdrucks, der häufig durch die Psychodynamik sexueller Gewalt ausgelöst wird, zusätzlich verstärkt. Formen der Bagatellisierung oder auch Skandalisierung des Geschehenen sind Zeichen dieser Hilflosigkeit und führen dazu, dass die Betroffenen aus dem Blickfeld geraten.

Die Forderung besteht schon länger, das Thema sexualisierte Gewalt stärker in Ausbildung und Fortbildung zu verankern. Diese Forderung wurde in verschiedenen Begleitforschungen des Runden Tisches ‚Sexueller Missbrauch‘ bestätigt (vgl. DJI e.V. [Hrsg.], 2010). Gleichzeitig stellen wir fest, dass in den von uns durchgeführten Seminaren mit ausgebildeten Sozialpädag_innen immer wieder darauf hingewiesen wird, dass dieses Thema keinen oder kaum Raum in ihrer Ausbildung gefunden hat, sie auf der anderen Seite aber in ihrem pädagogischen Alltag mit diesem Thema konfrontiert werden (können).

Der Runde Tisch ‚sexueller Missbrauch‘ hat die Debatte über sexuelle Gewalt und über die Unzulänglichkeit vieler Institutionen bundesweit vorangetrieben. Als Folge setzen sich Verbände und Institutionen verstärkt mit Grenzverletzungen und Machtmissbrauch in ihren Einrichtungen auseinander und entwickeln Verfahrensregelungen und präventive Maßnahmen. Diese Debatte hat auch Einfluss auf das neue Bundeskinderschutzgesetz, so dass sich Studierende der Sozialen Arbeit auch aus diesen Gründen mit der Thematik beschäftigt haben sollten, wobei unseres Erachtens insbesondere Kenntnisse über die Entstehung der Debatte und der Einbindung in verschiedene Strukturen der sozialen als auch der sozialpolitischen Fachöffentlichkeit sowie des örtlichen Hilfesystems notwendig sind.

Auf der Grundlage dieser gesellschaftlichen und fachlichen Diskussion und des konstatierten Mangels einer ausreichenden Befassung mit diesem Thema stellt basis-praevent den vorbeugenden Schutz von Jungen vor sexueller Gewalt in den Mittelpunkt seiner Arbeit. basis-prevent gibt Institutionen, Verbänden, Fachkräften und Vereinen Hilfestellung. Daneben bietet basis-prevent Institutionen eine Prozessbegleitung bei der Installation, Entwicklung und Evaluation von (konzeptionellen) Maßnahmen an, die wirkungsvoll und präventiv den Kinderschutz in Institutionen (für Mädchen und Jungen) zum Thema machen.