Evangelische Hochschule für Soziale Arbeit & Diakonie

21.04.2016

Scheitern in der Sozialen Arbeit - (k)eine Option?

Am 19. April 2016 fand an der EH ein von Studierenden des Masterstudiengangs "Soziale Arbeit" vorbereiteter hochschulöffentlicher Studientag statt. Das Thema des Studientages lautete: "Scheitern in der Sozialen Arbeit - (k)eine Option?" und stieß auf breites Interesse unter Studierenden und Mitarbeitenden.

In seinem Eröffnungsvortrag "Rechne mit dem Unerwarteten" erklärte Dietrich Sattler, ehemaliger Vorsteher des Rauhen Hauses von 1995-2008:

"Alle soziale Arbeit beginnt mit einem Verstehensakt: Wer bist du? Wie steht es um dich? Was kannst du? Wohin willst du hinaus? Nicht immer erhält man erschöpfende Antworten. Trotzdem soll und muss etwas getan werden. Umso mehr wohnt jedem Unterstützungsvorhaben das Risiko inne, einen Menschen nicht verstanden, seine Ressourcen falsch eingeschätzt zu haben und ihn in Folge dessen zu überfordern. Hinzu kommt: Ohne den Klienten läuft gar nichts. Er agiert im Hilfeprozess mit. Er kann ihm eine völlig andere Richtung geben. Er kann ihn verzögern, ihn durchkreuzen, sich ihm verweigern. Womöglich fällt er wieder in die Routinen seines bisherigen Alltags zurück oder gibt sich vorzeitig auf. Anders gesagt: Soziale Arbeit ist gleichsam von Natur aus dem Risiko des Scheiterns ausgesetzt. Indem sie sich auf das Schicksal und auf den Eigensinn von Individuen einlässt, geht sie das Wagnis ein, unter Umständen weniger als geplant oder überhaupt nichts bewirken zu können. [...] Ja, Scheitern kommt in der sozialen Arbeit vor. Aber jeder, der sich benachteiligter Menschen annimmt, wird sein Bestes geben, dass es dazu nicht kommt. Ausschließen kann er es nicht. Ebenso wenig lassen sich Erfolge vorhersagen."

Den gesamten Vortrag können Sie hier einsehen:
Vortrag "Rechne mit dem Unerwarteten" von Dietrich Sattler.pdf

Programm "Scheitern in der Sozialen Arbeit".pdf