Evangelische Hochschule für Soziale Arbeit & Diakonie

07.05.2019

Rückblick zum Fachtag „Zeitfragen sind Streitfragen“

Am Freitag, dem 12. April 2019 hat an der Ev. Hochschule der Fachtag „Zeitfragen sind Streitfragen! Sozialarbeiterisches Handeln unter den Bedingungen einer sich beschleunigenden Gesellschaft“ stattgefunden.

Im Fokus standen der aktuelle gesamtgesellschaftliche Umbruch und die damit einhergehenden ansteigenden Anforderungen und Arbeitsverdichtungen in der Sozialen Arbeit, wodurch der Kategorie Zeit eine immer wichtigere Bedeutung zuteil zukommt. Aus unterschiedlichen Perspektiven wurde analysiert und diskutiert, welche Auswirkungen diese Wandlungstendenzen auf die konkreten Tätigkeiten von Fachkräften der Sozialen Arbeit haben.

Bezugnehmend auf das Tagungsthema stellte Pastor Dr. Friedemann Green, Vorsteher des Rauhen Hauses, in seiner Begrüßung facettenreiche Bezüge zwischen der sozialen Zeit und der religiösen Zeit in unserer Gesellschaft her.

Im ersten Vortrag nahm Tilmann Wahne (Ev. Hochschule) sodann eine zeitliche Verortung vor, durch welche Tendenzen die Dienstleistungs-, Wissens- und Informationsgesellschaft aktuell beeinflusst wird. In diesem Rahmen zeigte er auf, welche Auswirkungen diese Zeittendenzen auf das Subjekt und sein Verhältnis zur Gesellschaft haben und stellte Überlegungen an, welche Konsequenzen und Herausforderungen sich aus dem aktuellen Zeitszenario ergeben.

Der Gastvortrag wurde von Prof. em. Dr. Karl August Chassé, Ernst-Abbe-Hochschule Jena, gehalten und widmete sich der Ökonomisierung und Subjektivierung in der Sozialen Arbeit. Anknüpfend an die zeitlichen Entwicklungen richtete er den Blick auf die damit einhergehenden objektiven Anforderungen an sozialarbeiterische Tätigkeiten. In diesem Kontext veranschaulichte er, dass in der Sozialen Arbeit eine quantitative Verdichtung der Aufgaben zu beobachten ist, mit der weitreichende Auswirkungen auf den Arbeitsalltag und die Qualität der Arbeit einhergehen.

Der nachmittägliche Block wurde zunächst durch sechs Workshops gestaltet. In Bezug auf das übergeordnete Erkenntnisinteresse wurden u.a. die Zusammenhänge zwischen Beschleunigung, Überlastung und Geschlechterverhältnissen betrachtet, Handlungs- und Gestaltungsoptionen von Sozialarbeiter_innen im Umgang mit diesen widrigen Arbeitsbedingungen diskutiert, Faktoren einer gelingenden, systematischen Personalentwicklung aufgezeigt und Implikationen für das Leiten und Führen von Institutionen abgeleitet.

Den Abschluss des Fachtages bildete eine Podiumsdiskussion. Unter der Moderation von Burkhard Plemper (Journalist) diskutierten Wolfang Bayer (Leiter Stiftungsbereiche Sozialpsychiatrie und Pflege, Rauhes Haus), Michael Gümbel (Beratungsstelle Arbeit & Gesundheit) und Hanna Kröger (Studentin der Ev. Hochschule und Mitarbeiterin bei PINK Beratung & Training) aus unterschiedlicher beruflicher Perspektive die sozialarbeiterischen Gestaltungsnotwendigkeiten und -möglichkeiten. Einigkeit bestand darin, dass die aktuelle Arbeitssituation sowohl aus Sicht der Adressat_innen als auch aus Perspektive der Professionals zahlreiche Verbesserungsnotwendigkeiten aufweist. Politik und Träger stehen folglich in der Verantwortung, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Um dies zu erreichen, sei aber auch ein stärkeres sozialpolitisches Engagement der Profession zwingend notwendig.
Burkhard Plemper und Prof. Dr. Christof Beckmann führten den Fachtag mit einem Resümee zum Abschluss.
Die Hochschule plant einen Fachtag im entsprechenden Format zu einem späteren Zeitpunkt zu wiederholen.