Evangelische Hochschule für Soziale Arbeit & Diakonie

06.12.2019

Obdach und Unterstützung im Winter

Studierende der Ev. Hochschule betreuen sechs Menschen, die den Winter in Wohncontainern auf dem Stiftungsgelände des Rauhen Hauses verbringen.

Seit ein paar Wochen stehen wieder einige Wohncontainer auf dem Gelände des Rauhen Hauses in Hamburg Horn. Sie sind Teil des Winternotprogramms der Stadt Hamburg, das obdachlosen Menschen Schutz vor der Kälte bieten soll. Die Stadt stellt an zwei Standorten rund 650 Übernachtungsplätze zur Verfügung, an der Friesenstraße im Stadtteil Hammerbrook 400 und an der Kollaustraße in Lokstedt 250 Plätze. Daneben gibt es noch rund 130 staatlich finanzierte, aber ehrenamtlich betreute Plätze in Wohncontainern auf dem Gelände von Kirchengemeinden oder Hochschulen. Dazu gehören auch die drei Container, die gegenüber der Evangelischen Hochschule unter den Bäumen stehen.

Theorie ergänzt Praxis
Drei Paare sind hier Anfang November eingezogen. Ihre Betreuung koordiniert Katharina Brüchmann, die bei der Gesellschaft „Neue Wohnung gGmbH“ zuständig ist für die Vermittlung wohnungsloser Menschen in einen eigenen Wohnraum und eine weitergehende Begleitung, damit sie sich im Alltag stabilisieren können. Daneben ist sie als Lehrbeauftragte an der Ev. Hochschule tätig, wo sie das Seminar „Winternotprogramm“ anbietet. 12 Studierende kümmern sich unter ihrer Anleitung um die Belange der Menschen, die in diesem Winter in den Containern auf dem Stiftungsgelände leben. Im theoretischen Teil des Seminars informiert die Sozialpädagogin über Themen wie das staatliche Hilfesystem oder die Geschichte der Diakonie, in der die Betreuung Wohnungsloser immer schon eine große Rolle gespielt hat. „Ich habe gute Erfahrungen mit einer Kombination von Praxis und Theorie gemacht und arbeite immer mit sehr interessierten Studierenden zusammen“, stellt Katharina Brüchmann fest.

Wohnraum per Losverfahren
Dass die sechs Wohnungslosen für einige Monate eine eigene Tür hinter sich abschließen können, hat das Los entschieden. Insgesamt hatten sich 15 Paare beworben für die fünf Container, die über die Diakonie in Hamburg speziell an Paare vermittelt werden. Während die Bewohner der städtisch betriebenen Unterkünfte die Räume tagsüber verlassen müssen, können sie hier in den Containern bleiben. Dafür müssen sie ihren Raum und auch den Sanitärcontainer, der von allen gemeinsam genutzt wird, sauber halten. Die Reinigungsmittel stellen ihnen die Studierenden zur Verfügung. Außerdem sind sie ständige Ansprechpartner. „An vier Nachmittagen in der Woche bieten wir Sprechstunden an“, erzählt Jamuna Lehnert, die heute gemeinsam mit Melissa Kegreiß Dienst hat, „da sind immer einige von uns hier vor Ort." Gemeinsam mit Katharina Brüchmann  werden in den ersten Wochen Aufnahmegespräche geführt, um herauszufinden, welche Bedürfnisse die Menschen haben. „Einige möchten vielleicht einfach nur ihre Ruhe für die Zeit, in der sie hier sind. Mit anderen können wir gemeinsam eine Perspektive für eine Verbesserung ihrer Situation entwickeln“, berichtet Tamara Siol, die ebenfalls am Seminar teilnimmt und die Bewohner betreut.

Noch sind viele Fragen offen
Aktuell müssen Fragen nach weiteren Unterstützungsmöglichkeiten in der Versorgung und bei der Verständigung geklärt werden. Eines der drei Paare hat bisher noch keinen Anspruch auf staatliche Leistungen – sie verfügen über keinerlei finanzielle Mittel, mit denen sie sich Kleidung oder etwas zu Essen besorgen können. Da zwei Bewohner gar kein Deutsch sprechen, würden sich die Studierenden auch freuen, wenn ihnen jemand mit Polnisch-Kenntnissen ab und zu als Dolmetscher zur Seite stehen könnte. „Mir war gar nicht klar, dass es am Anfang so viele offene Fragen gibt“, erzählt Melissa Kegreiß, „aber wir werden sicherlich in der nächsten Zeit noch weiter Unterstützung finden und uns mit bestehenden Hilfsangeboten vernetzen können."

Wer das Winternotprogramm an der Ev. Hochschule mit finanziellen Spenden, warmer Kleidung oder auf andere Weise unterstützen möchte, kann die Studierenden unter folgender Email-Adresse kontaktieren: winternotprogramm_rh(at)gmx.de

 

Quelle: Das Rauhe Haus