Evangelische Hochschule für Soziale Arbeit & Diakonie

16.04.2020

„Menschen lernen mit Menschen für Menschen“

Der persönliche Austausch unter Lehrenden und Studierenden ist ganz sicher ein charakteristisches Merkmal der Ev. Hochschule. „Das ist die Philosophie, die passt: Menschen lernen mit Menschen für Menschen. Wenn ich vom Rauhen Haus erzähle, fällt irgendwann der Satz "mein Lieblingsarbeitsplatz", weil ich mich seit vielen Jahren als freie Lehrbeauftragte gut aufgehoben fühle, den Kontakt zu den Studierenden genieße, die Haltungen und Fragen spannend finde“, beschreibt es die Lehrbeauftragte Stefanie Claußen.

Vielfältige digitale Formate der Lehre und Vernetzung

Und genau jene Form des Lehrens und Lernens gilt es neu zu gestalten in Zeiten von Corona. Daran arbeiten aktuell sowohl die hauptamtlich Lehrenden, die Lehrbeauftragten als auch die Hochschulverwaltung.

Es wurden Tipps zur Gestaltung der Lehre gesammelt, die stetig erweitert werden, um neue Lehrformate untereinander zugänglich zu machen – von Chat-Foren in Moodle bis hin zu Methoden des Blended Learning für eine gute Kombinationen von E-Learning und Präsenzlehre, wie etwa das  Flipped Classroom-Modell. Zudem haben die Lehrenden eine Plattform für den Austausch über die konkreten Erfahrungen mit verschiedenen Lehrformaten eingerichtet. Für die gemeinsame Arbeit an Themen werden beispielsweise Online-Meetings genutzt –dafür wurde an der Hochschule eine neue Software installiert.

Prof. Dr. Christof Beckmann hat die erste Sitzung des von ihm geleiteten Theorie-Praxis-Seminars als Online-Meeting durchgeführt. „Die Studierenden müssen als nächsten Schritt die Auswertungsmatrix für ihre Interviews erstellen. Dazu ist es wichtig, gemeinsam die Methodik zu besprechen“.

Auch Prof. Dr. Gabriele Schmidt-Lauber setzt auf Online-Videokonferenzen, um eine Alternative für Präsenztreffen anzubieten. „Uns fehlt der Austausch untereinander“, merkt sie an. Um diesen trotzdem zu gewährleisten, wird sie mit den Studierenden, soweit möglich, per Video sprechen, auch, um gemeinsam über das aktuelle Geschehen zu reflektieren.

Das Verhältnis von Religion und Corona

Im Modul 7 „Theologische Grundfragen in Sozialen Bezügen: Religion, Alltag, Lebenswelten“ greift sie die Corona-Pandemie ganz konkret in der Lehre auf. Das Verhältnis von Religion zur Corona-Pandemie steht dabei im Fokus. „Die Tatsache, dass wir in dieser Krise stecken hat auch thematische Auswirkungen“, sagt sie dazu.
Wie verändert sich die Wahrnehmung, Präsentation, Gestaltung und das Praktizieren von Religiosität durch die aktuelle Lage? „Ich rechne gerade in diesem Seminar mit richtig guten Ideen. Ich könnte mir vorstellen, dass sich die Kreativität sogar steigert“, merkt Gabriele Schmidt-Lauber zum Lehrformat an.
Die Idee ist, dass die Studierenden Portfolios zu den von ihnen erarbeiteten Themen erstellen, die dann auf Moodle eingestellt werden. Ein gemeinsamer Austausch über die Ergebnisse werde dann aller Voraussicht nach per Chat-Funktion in Moodle mit den Studierenden stattfinden. Eine weitere Option könnten Referate sein, die von den Studierenden aufgenommen und auf Moodle hochgeladen werden.

Möglichst unterschiedliche Varianten sollen den Studierenden offen stehen, damit sie die für sich passende und technisch zugängliche Form wählen können. Denn auch für die Studierenden bedeutet die aktuelle Situation eine große Umstellung.
„Ich biete auch Einzeltelefonate für die Studierenden an, um Fragen zu klären“, merkt Prof. Dr. Gabriele Schmidt-Lauer dazu an.

Eine Umstellung für alle

Dieses Angebot war zu Beginn der Corona-Pandemie vor allem für jene Studierenden entscheidend, die sich dieses Semester  im Integrierten Praktikum des Bachelorstudiengangs Soziale Arbeit & Diakonie befinden und vor der Frage standen, ob und wie ihr Praktikum fortgeführt wird. Für viele konnten laut Prof. Dr. Gabriele Schmidt-Lauber nun gute Alternativ-Formate gefunden werden, die eine Fortführung des Praktikums während der geltenden Einschränkungen ermöglichen. „Ich habe so eine Hochachtung vor den Studierenden. Denn trotz aller Schwierigkeiten steht für viele im Fokus, dass sie aktuell in der praktischen Sozialen Arbeit gebraucht werden“.

Und wie nimmt sie ihre eigene Situation wahr? „Ich bin nicht unzufrieden. Aber es ist auch anstrengend und teils überfordernd auf neue Lehrformate umzustellen. Man muss sich in Vieles neu eindenken, raus aus der Komfort-Zone. Und ich freue mich auf die Zeit, wenn es wieder ganz normal läuft“.

Eines wird deutlich: Es ist eine herausfordernde Zeit für alle Seiten, aber auch eine Zeit, in der neue Lehrformate entwickelt und umgesetzt werden und teils sogar neue, kreative Ideen für Seminare entstehen. Und all das, weil sehr engagiert und vernetzt an Lösungen gearbeitet wird für eine bestmögliche Gestaltung der Lehr- Lernsituation.