Evangelische Hochschule für Soziale Arbeit & Diakonie

25.01.2021

Kollegialität in der Sozialen Arbeit

Im Rahmen ihrer Forschungs- und Entwicklungswerkstatt des berufsbegleitenden M.A. Soziale Arbeit haben die Studierenden David Haverland, Tina Jachomowski, Katharina Przybylski und Peter Svejda  zur Konstitution von Kollegialität in der Sozialen Arbeit geforscht. Hiermit widmeten sie sich einem bisher kaum beachteten Thema der Sozialen Arbeit. Methodische Grundlage des qualitativen Forschungsansatzes bildeten  leitfadengestützte Interviews mit Sozialarbeiter_innen, die im Sinne der Grounded Theory ausgewertet wurden.

Als Ergebnis der Forschung werden vier Ebenen herausgestellt, auf denen sich Kollegialität in der Sozialen Arbeit konstituiert institutionell-fachlich, politisch, zwischenmenschlich-sozial und professionell-fachlich. Zugleich wird die Bedeutung von ausreichend Zeit und Raum sowie dafür geeignete organisationale Rahmenbedingungen für eine gelingende Kollegialität und daraus resultierender fachlich guter Arbeit  deutlich.

Für die institutionell-fachliche Ebene wird festgestellt, dass die empfundene Arbeitsbelastung, die Trägerschaft der_s Arbeitgeber_in und die daran gebundene Arbeitskultur sowie das Vorhandensein von Hierarchiestrukturen und -unterschieden Einfluss nehmen auf Kollegialität.  Je höher die Arbeitsbelastung, je formalisierter die Arbeitsprozesse, je ausgeprägter die Hierarchie(unterschiede), desto geringer ausgeprägt ist die Kollegialität.

In politischer Hinsicht manifestiert sich laut der Forschungsergebnisse Kollegialität im gemeinsamen Einsatz unter Sozialarbeiter_innen für bessere Arbeitsbedingungen und den Stand der eigenen Profession.

Auf der zwischenmenschlich-sozialen Ebene  konstituiert sich Kollegialität im beruflichen Miteinander bzw. den sozialen Kontakten zwischen Kolleg_innen über Wertevorstellungen, Vertrauen und Ehrlichkeit. Die Grundlage dafür bilden gemeinsame Zeiträume wie Teamsitzungen, Supervision und Gespräche. Zugleich hat ein unprofessioneller Umgang mit Konflikten einen Rückgang der Kontakte und des Austauschs zur Folge.

In Bezug auf die professionell-fachliche Ebene kann festgestellt werden, dass sich  Kollegialität im Berufs- und Kompetenzverständnis der Sozialen Arbeit manifestiert. Ein kollegiales Verhältnis entsteht sowohl anhand einer Trägerzugehörigkeit  als auch durch die Zuständigkeit für eine gemeinsames Klientel oder Sozialräume. Kolleg_innen werden hierbei Kompetenzen zugeschrieben. Zugleich ist das Fachlichkeitsverständnis sehr divers und bezieht somit unterschiedliche soziale Berufsgruppen, wie z.B. Erzieher_innen, mit ein, welchen wiederum die entsprechenden Kompetenzen zugeschrieben werden. Umgekehrt wird Fachlichkeit über den kollegialen Austausch als Möglichkeit der Reflexion und Qualitätssicherung erst hergestellt, sodass hier die Interdependenz zwischen der professionell-fachlichen und zwischenmenschlich-sozialen Ebene ersichtlich wird. 

Aufgrund der gegebenen Zeiträume für die Forschung und den dadurch gesetzten Rahmen  konnten nur begrenzt Daten erhoben werden, sodass die Erkenntnisse nur einen ersten Einblick geben und weiterer, anschließender Forschungen bedürfen. Nichts desto trotz  haben die Studierenden einen Anstoß zur Untersuchung dieses Forschungsfeldes gegeben und erste, erkenntnisreiche Ansatzpunkte geliefert. So machen sie anhand ihrer Forschung deutlich, dass eine gelingende Kollegialität ausreichende Zeitkapazitäten benötigt und hierfür auf Leitungsebene Zeitfenster  einzuplanen sind. Grundlage dafür bilden eine entsprechende Organisationskultur sowie Rahmen- und Arbeitsbedingungen, basierend auf einer angemessenen finanziellen und personellen Ausstattung. Ausgehend von dieser Schlussfolgerung sei laut der Autor_innen interessant zu untersuchen, „inwiefern eine solidarische Haltung innerhalb der Berufsgruppe als „Anonyme Kollegialität“ die Grundlage für den gemeinsamen politischen Kampf für bessere Arbeitsbedingungen und den Stand der Profession der Sozialen Arbeit im Ganzen bilden kann“ (Haverland et. al, 2020: 57).

Die Forschungsergebnisse haben die Studierenden in der Fachzeitschrift Forum Sozial veröffentlicht. Auf jener Veröffentlichung basiert dieser Beitrag.

Quelle: Haverland, David; Jachomowski, Tina Przybylski, Katharina; Svejda,  Peter  (2020): Kollegialität als Ressource: Die Bedeutung eines gelingenden Miteinanders für die Qualität in der Sozialen Arbeit.  In: Forum Sozial, 3/2020, S. 53-57.