KIOS - Koordination für internationalen und ökumenischen Studienaustausch
Was ist KIOS?
Eine Gruppe ehemaliger Studierenden der Ev. Hochschule gründete KIOS = Koordination für Internationalen und Ökumenischen Studienaustausch.
Durch KIOS sollen alle Hochschul-Aktivitäten, die mit Projekten, Kontakten und Studienreisen im und ins Ausland zu tun haben, zusammengefasst, weiter entwickelt und den Studierenden als Bereicherung des regulären Studienbetriebes nahe gebracht werden.
Es existieren seit etlichen Jahren gute Kontakte zu Menschenrechtsgruppen in Mexiko durch Prof. Harald Ihmig und zu sozialen Projekten sowie Universitätseinrichtungen in Kuba durch Prof. Gertrud Stempel.
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Studierenden-Austausch der Ev. Hochschule mit Kuba

Besuch aus Kuba: die beiden Studentinnen Alma und Sonja (1. u. 3. v.l.) und ihre Gäste Laritza und Clara (2. u. 4. v. l)

Völkerverständigung unter Studenten. Die Hamburger Studentinnen und ihre Gastgeber am Plaza Dolores in Santiago de Cuba
Ein Bericht von Ann-Britt Petersen (Kirche in der Welt)
Clara (24) ist beeindruckt vom Hamburger Michel. „Eine so schöne Kirche", schwärmt sie. Und ihre Freundin Laritza (24) hat sich in einer hiesigen Baptistengemeinde heimisch gefühlt. Die beiden Deutsch-Studentinnen kommen aus Kuba. Mit drei Kommilitonen und ihrem Professor sind sie zum ersten Mal in Hamburg. Sie interessieren sich für alle Facetten der Stadt. Besonders das religiöse Leben regt sie zum Vergleich mit ihrer Heimatstadt Santiago an und zu Gesprächen mit ihren Gastgebern, elf Studenten der Evangelischen Hochschule für Soziale Arbeit und Diakonie des Rauhen Hauses. Die Gruppe war im vergangenen Jahr mit Professorin Gertrud Stempel auf Kuba und hatte nun zum Gegenbesuch eingeladen.
„Bei uns in Santiago gibt es zwei katholische Kirchen, sie sind nicht so prunkvoll, aber immer gut besucht", sagt die Katholikin Clara Alina Escalona Falcon. Sie und ihre Mutter gehen regelmäßig sonntags in die Messe. Ihr Ehemann hingegen gehört keiner Kirche an. „Deswegen konnten wir auch nicht in der katholischen Kirche heiraten, denn dazu braucht man einen Paten aus der Gemeinde", sagt Clara, Die beiden heirateten standesamtlich.
„Jeder kann bei uns seinen Glauben ausüben", sagt Laritza Sanz Sosa. Als Baptistin gehe sie regelmäßig in eine von mehreren Kirchen, in Santiago, zudem treffe sie in der Woche Gemeindemitglieder in sogenannten Hauskreisen. „Wir beten zusammen und lesen in der Bibel", sagt sie. Auch ihren Mann hat Laritza in der Gemeinde kennengelernt.
Offiziell gehört gut die Hälfte der kubanischen Bevölkerung einer Religion an. Rund 40 Prozent davon sind katholisch, Das Christentum kam mit den spanischen Eroberern auf die Insel, Nach der Revolution und Machtübernahme durch Fidel Castro 1959 wurde die Kirche in dem offiziell atheistischen Staat unterdrückt. Kirchliche Schulen wurden geschlossen, Bildung und soziale Arbeit vom Staat übernommen. Erst in den 1990er-Jahren hat es wieder eine Annäherung von Staat und Kirche gegeben. „1992 gab es eine Verfassungsänderung, Mitglieder der Kirchen können seitdem, auch in der kommunistischen Partei sein, was vorher nicht möglich war", sagt Laritza. 1998 besuchte Papst Johannes Paul II. die Insel und wurde sogar von Fidel Castro empfangen.
„Es gibt aber immer noch eine Kluft zwischen Staat und. Kirche, vor allem weil befürchtet wird, sie grabe am staatlichen Fundament", berichtet Alma Mathar (24), wie ihre Freundin Sonja Weigt (26) Studentin an der Ev. Hochschule in Hamburg. Beide gehörten der Studentengruppe an, die im vergangenen Jahr einen Monat lang die Universität in Santiago de Cuba besuchte.
Anschließend reisten beide noch einen Monat durch das Land. „Die Leute waren herzlich, die Kirchentüren standen überall offen, anders als hier", sagt Sonja. Alma ergänzt: „Die Pastoren, die wir trafen, waren auskunftsfreudig. Aber die katholische Kirche konzentriert sich nach meiner Beobachtung sehr stark auf die Verbreitung ihrer Moralvorstellungen von Ehe und von Verhütung.“
Im religiösen Leben Kubas spielt jedoch nicht nur das Christentum eine Rolle. Ein großer Teil der Bevölkerung ist auch Anhänger des Santeria-Kultes. Eines Kultes, der durch zumeist westafrikanische Religionen geprägt ist. „Die Sklaven haben den Glauben an ihre Götter mitgebracht und ihnen die Namen von christlichen Heiligen gegeben. Santeria steht für Heilige“ erzählt Clara.
Einer dieser Götter ist Babula Ayé, der mit dem Heiligen Lazarus gleichgesetzt wurde, dem Patron der Kranken. „In vielen Wohnungen steht ein Lazarus als Figur auf einem Hausaltar, umgeben von Gaben für den Heiligen, das sind oft Zigarren, Rum und Blumen“, sagt Sonja. Die Anbetung von Schutzheiligen ist über die Grenzen der Konfessionen hinaus beliebt. „Selbst Atheisten pilgern zur Schutzheiligen von Kuba, der Jungfrau von El Cobre“, sagt Clara. Religion ist im Alltag des sozialistischen Staates auf vielfältige Art gegenwärtig.
