Evangelische Hochschule für Soziale Arbeit & Diakonie

07.09.2017

Rückblick - 3. Sommerhochschule Kinderschutz an der Ev. Hochschule.

Vom 1. Bis 3. September 2017 trafen sich 230 Studierende in Hamburg auf dem Gelände des Rauhen Haus zur 3. Sommerhochschule Kinderschutz, die von den Kinderschutz-Zentren in Kooperation mit der Evangelischen Hochschule für Soziale Arbeit & Diakonie durchgeführt wurde. Die Veranstaltung konnte mit einer Rekordmeldung eröffnet werden, denn 230 Studierende der Sozialen Arbeit und anderer Fachrichtungen aus 33 Hochschulen und Universitäten aus Deutschland und der Schweiz nahmen teil. Insbesondere in der Zahl der Hochschulen zeigt sich das große Interesse am Thema Kinderschutz sowie am Format und an den Inhalten der diesjährigen Sommerhochschule.

Am Ende dreier intensiver und erlebnisreicher Tage wurde deutlich, wie intensiv die Studierenden an diesem Wochenende gearbeitet haben, wie befruchtend und fachlich anregend die fachlichen Vorträge und Diskussionen und vor allem die Mischung aus Wissenschaft, Forschung und Praxis, wie das Format und die einzelnen Veranstaltungen einen neuen Blick auf das Arbeitsfeld Kinderschutz und eine neue und abwechslungsreiche Form des Lernens war. Die Sommerhochschule Kinderschutz hat am Veranstaltungsort sowie über die Hamburger Grenzen hinweg neue Ideen und Spuren hinterlassen, die in zwei Jahren zur 4.Sommerhochschule Kinderschutz wieder aufgenommen werden.

 

Hier einige Highlights und Impressionen

Die Sommerhochschule stand unter Schirmherrschaft von Dr. Melanie Leonhard, Senatorin der BASFI Hamburg und wurde durch Prof. Dr. Andreas Theurich (Rektor der Ev. Hochschule für Soziale Arbeit & Diakonie), Pastor Dr. Friedemann Green (Vorsteher der Stiftung Das Rauhes Haus), Teresa Siefer (Bundesvorstand der Kinderschutz-Zentren) und Jan Pörksen (Staatsrat BASFI Hamburg) eröffnet.

 

Was braucht gelingender Kinderschutz?

Im Eröffnungsvortrag ging Dr. Elke Nowotny vom Kinderschutz-Zentrum Berlin darauf ein, worauf es in der Kinderschutzpraxis ankommt. Am Beispiel einiger Fallausschnitte wurde so nachvollziehbar, wie schwierig und gleichsam wichtig es ist, eine klare fachliche Haltung zu bewahren. Wenn dies und damit ein guter Kontakt zu Eltern gelingt, so gelingt auch der Schutz der Kinder – so ihre Botschaft an die Studierenden.

 

Kinderschutz: Wissen – Können – Haltung

Danach folgten 11 Workshops mit Professorinnen und Professoren verschiedener Hochschulen und Universitäten, in denen - vielfältig wie das Feld sich darstellt - auch ganz unterschiedliche Inhalte, Methoden und Konzepte vorgestellt und diskutiert wurden. Dabei fanden Themen wie Biographiearbeit oder das Verhältnis von Jugendamt und Familiengericht besondere Resonanz bei den Studierenden.

 

 

Ist Kinderschutz eine sozialpädagogische Praxis?

Den Schlussvortrag des ersten Tages lieferte Prof. Dr. Holger Ziegler von der Universität Bielefeld, der in lebendiger und provakanter Weise zeigte, an welchen Stellen Kinderschutzdiskurs und Kinder- und Jugendhilfepolitik kritisch befragt werden müssen und wo Fallstricke im System lauern. Am Ende beantwortete er die zentrale Frage des Vortrags mit einem deutlichen Ja. Kinderschutz sei vor allem eine sozialpädagogische Praxis und sie muss dies sein, um erfolgreich zu sein!

Den Schlusspunkt des ersten Sommerhochschultages bildete ein Picknick zum gegenseitigen Kennenlernen, das von einer Führung über das für Soziale Arbeit und ihre Entstehung  so interessante Gelände des Rauhen Haus.

 

Wie können Rechte von Kindern in der Praxis gesichert werden?

Prof. Dr. Ulrike Urban-Stahl von der Freien Universität Berlin eröffnete den zweiten Tag mit einem Vortrag zum Thema Ombudschaft und Beschwerde in der Kinder- und Jugendhilfe und konnte darin auf besondere Weise Konzept, Praxis und Forschung zum Thema verknüpfen. Damit konnten sie den Studierenden gut verdeutlichen, wie sich diese Idee entwickelt hat und worauf es in Zukunft ankommen wird.

 

Kinderschutz als vielfältiges Arbeitsfeld

Am Samstagvormittag gab es dann in einer weiteren Workshop-Runde Konkretionen und praxisnahe Vertiefungen, die ebenfalls gut genutzt wurden. Hier wurden weitere Brücken zu einzelnen Praxisfeldern (z.B. Behinderung oder Forschung) geschlagen, also auch methodisches Handeln in den Blick genommen werden (z.B. bei Fachberatung oder im Fallverstehen).

 

Kinderschutz konkret

Danach ging es in die Praxis. Auf dem Programm standen insgesamt 11 Praxisbesuche in Hamburger Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe und des Kinderschutzes. Die Studierenden schwärmten aus und konnten unter anderem mit Fachkräften aus Jugendämtern, Kinderschutz-Zentren und Familienzentren interessanten Arbeitsfeldern in Kontakt kommen.

 

Kinderschutz als selbstbewusste Praxis

Der fachliche und atmosphärische Höhepunkt des Tages war eine Diskussionsrunde zum Thema „Kinderschutz in der Öffentlichkeit“. Im legendären Cafe Kölibri der Gemeinwesenarbeit St.Pauli fanden sich am Samstagabend über 100 Studierende und Fachkräfte aus der Hamburger Fachszene ein, um aktiv an einer Diskussion von Andrea Luksch vom NDR und Thomas Mörsberger vom Deutschen Institut für Jugendhilfe und Familienrecht zur aktuellen Lage des Kinderschutzes und dessen Bild in der Öffentlichkeit teilzunehmen. Das Resümee der von Burkhard Plemper moderierten Diskussionsrunde war vor allem, dass man mit allein findigen Kommunikationstricks nicht weit kommt, sondern dass Fachkräfte ein grundsätzliches, neues und vor allem klareres Bild ihrer eigenen Praxis zeichnen müssen.

 

Kinderschutzpraxis in der Reflexion

Der Sonntagvormittag wurde zur Reflexion der Praxisbesuche genutzt. Vorbereitet und durchgeführt wurd dies von Prof. Dr. Johannes Richter und Studierenden der Evangelischen Hochschule für Soziale Arbeit & Diakonie. Die Studierenden konnten so einen Einblick in die konkrete Praxis gewinnen und sich ein eigenes Bild machen.

In der Schlussreflexion zur Sommerhochschule gab es viele positive Rückmeldungen, Forderungen nach einer Wiederholung und den Wunsch nach anderen Themen, wie beispielweise Kinderschutz und Migration. Insgesamt ziehen wir eine positive Bilanz, die Sommerhochschule Kinderschutz ist ein wichtiges Element zur Qualifizierung künftiger Fachkräfte im Kinderschutz.