Evangelische Hochschule für Soziale Arbeit & Diakonie

11.04.2018

Bachelor-Arbeit zur Fat-Acceptance-Bewegung im Marta Press Verlag erschienen

Im Marta Press Verlag wurde die Bachelorarbeit von Anne Sophie Menzinger, Absolventin des Bachelorstudiengangs „Soziale Arbeit & Diakonie“, veröffentlicht. Unter dem Titel „Fat Acceptance. Positionen und Praxen einer körperpolitischen Bewegung“ setzte sich Anne Sophie Menzinger mit dem Anliegen und den Interessen hinter der Fat-Acceptance-Bewegung auseinander und der Frage, inwieweit deren Artikulationen und Aktivitäten als Bewegung verstanden werden können. Betreut wurde die Arbeit von Prof. Dr. Johannes Richter und Prof. Dr. Tilman Lutz.

Zur Entstehung der Forschungsfrage sagt Anne Sophie Menzinger selbst:

„Das Thema Fat Acceptance kam mir in den Sinn, nachdem ich bei Queer - feministischen Vorträgen und in längeren Küchendiskussionen mit Freunden immer wieder auf das Thema Feminismus, Essen und Körperpolitik gestoßen bin. Drei Ausgangsfragen haben mich hier autobiografisch eigentlich schon länger beschäftigt. 

Sie haben auch mit meinem eigenen, persönlichen Verhältnis zum Essen zu tun: Wie wirkt sich die ständige, innere Beobachtung des eigenen Essverhaltens und des Körpergewichts auf das Selbstbewusstsein und Wohlbefinden im eigenen Körper aus? Und wieso höre ich überwiegend Frauen, scheinbar egal welchen Alters und unabhängig vom Bildungshintergrund, über ihr (vermeintliches Über-)Gewicht reden? Was für eine Bedeutung hat das für die Entwicklung meiner geschlechtlichen Identität ?

Diese Fragen waren meine persönliche Motivation, mich mit dem Thema zu befassen. Sie entwickelte sich dann weiter in die Richtung, welche Anliegen und Interessen hinter der Fat-Acceptance-Bewegung stehen, und in wieweit die Artikulationen und Aktivitäten als Bewegung verstanden werden können. In der Beschäftigung mit dem Thema wurde mir immer klarer, dass die Bewegung weitaus komplexere Hintergründe hat, als ich Anfangs vermutet hätte und dass sich hier inhaltliche und theoretische Spannungsfelder auftun. Diese habe ich dann versucht zu umreißen. Interessanterweise wurde aus der Arbeit zunehmend eine Beschäftigung mit der Frage nach Identitätspolitiken und ihrem Spannungsverhältnis zu den queerpolitischen Versuchen, eindeutige Identitäten aufzulösen und sich von Zuschreibungen zu befreien.

Aufschlussreich war für mich aber auch die Auseinandersetzung mit der kulturhistorischen Entwicklung eines „zivilisierten", „reinen“ Körperideals, und die Bedeutung von Scham und Beschämung hierin. In diesem Zusammenhang hat mir der Text "Zivilisierung und ontologische Invalidierung von Menschen mit Behinderung“ von Bill Hughes (2015) einen hilfreichen Zugang vermittelt, zu verstehen, wie Körper als Zeichen der Distinktion und Zivilisierung symbolisch in Zonen von dem „was nicht sein darf“ (ebd. 123) gesperrt werden. Der Versuch, performativ einen Gegenentwurf zur Diätkultur zu artikulieren und sich die Zonen von dem, was sein darf wieder anzueignen hat mir die Anliegen der Fat Acceptance näher gebracht. Insbesondere die deutliche Abgrenzung vom Gesundheitsdiskurs musste ich erst einmal nachvollziehen - um zu verstehen, dass es bei der Bewegung nicht um eine Verleugnung gesundheitlicher Aspekte geht, sondern schlicht um die gesellschaftspolitische Dimension von Stigmatisierung von Körperfett und Selbstbestimmung über den eigenen Körper“.

Anne Sophie Menzinger: Fat Acceptance. Positionen und Praxen einer körperpolitischen Bewegung. Martha Press 2017.